Angst, Panik & Zwangsstörungen

Angst

Es gibt hier drei grundlegende Botschaften:

1. Gedanken lassen sich nicht verbieten.

Sie kennen das: Unser Gehirn kennt keine Verneinung. Jeder hat schon einmal vom Bild des rosa Elefanten gehört. Wenn Sie versuchen, nicht an einen rosa Elefanten zu denken, wird es Ihnen nicht gelingen. Sie können sich nicht aktiv das Denken an etwas verbieten.

Das führt direkt zu:

2. Wenn Sie etwas stärken wollen, dann bekämpfen Sie es.

Je mehr Sie versuchen, nicht aktiv an einen rosa Elefanten zu denken, desto weniger wird Ihnen das gelingen. So ist es auch mit der Angst. Je mehr Sie versuchen, sie loszuwerden, desto stärker wird sie. Ihre Angst ist wie eine gute Freundin, die Sie auf etwas Wichtiges hinweisen will. Eine gute Freundin wird nicht damit aufhören, Sie auf etwas Wichtiges hinzuweisen, sondern sogar eher sehr nachdrücklich werden, wenn Sie nicht hören. Und unsere Angst ist eine sehr gute Freundin.

3. Es gibt keinen Unterschied zwischen vorgestellter und realer Angst.

Unsere Nervenzellen können nur feuern oder nicht feuern. Schwanger oder nicht schwanger, aber nicht ein bisschen schwanger oder halb schwanger. Wie bei einem Computer (1 und 0) gibt es bei uns nur an oder aus, Gefahr oder nicht Gefahr. Es macht für unser Gehirn also keinen Unterschied, ob wir an eine mögliche Bedrohung durch einen Tiger nur denken, oder ob dieser Tiger vor uns steht. Mögliche Bedrohung ist mögliche Bedrohung, egal ob real oder imaginiert.

Bei dem Thema Angst und Panik geht es vor allem um die Unterscheidung zwischen Kontrolle und Vertrauen. Der Versuch Dinge zu kontrollieren, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, führt automatisch zu einem Gefühl von Kontrollverlust, Angstsymptomen und -gefühlen. Das wiederum führt zu dem Versuch noch mehr kontrollieren zu wollen (was noch immer nicht geht) und am Ende zu der Angst vor Kontrollverlust und ev. Zwängen. Plötzlich haben wir Angst vor der Angst. Und aus dem Versuch der Kontrolle über unsere Gefühle und Körperreaktionen wird ein erbitterter Kampf gegen uns selbst.

Was ist also die Alternative?

Die Alternative zu Kontrolle ist Vertrauen. Vertrauen in uns selbst und in uns selbst in der Welt. Es geht nicht darum, blind zu vertrauen, dass am Ende alles gut wird. Es geht darum, darauf zu vertrauen, dass wie auch immer es werden wird, wir damit umgehen können. So oder so. Manchmal wird es scheiße und tut furchtbar weh. Und dennoch: Wir haben alles, was wir brauchen, um damit umgehen zu können. Manchmal wird es wunderbar, und manchmal eben nicht.